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Niedrigwasser und Eis an der Ostsee

Winterstille: Die Ostsee zieht sich zurück

Niedrigwasser und Eis an der Ostsee
Niedrigwasser und Eis an der Ostsee

Ein eisiger Wind drückt das Wasser fort, Buchten frieren zu, Stege liegen trocken. An der Küste Nordwestmecklenburgs zeigt sich die Ostsee aktuell ungewohnt still – das sieht zwar beeindruckend aus, aber viele fragen sich: Was steckt hinter diesem seltenen Winterbild?

Wer dieser Tage an der Küste Nordwestmecklenburgs unterwegs ist, merkt schnell: Die Ostsee wirkt anders. Das Wasser steht ungewöhnlich niedrig, vielerorts liegen breite Uferstreifen frei, Stege enden im Trockenen. In geschützten Buchten hat sich zudem Eis gebildet – kein dünner Hauch, sondern stellenweise eine geschlossene Fläche. Ein Bild, das man hier nicht in jedem Winter sieht.

Lilo am eisigen Ostseestrand
Lilo am eisigen Ostseestrand

Tatsächlich liegt der Wasserstand deutlich unter dem langjährigen Mittel, zeitweise um mehr als einen halben Meter. Das klingt dramatisch, ist aber zunächst meteorologisch erklärbar. Seit Wochen dominieren kräftige Ostwinde. Sie drücken das Wasser durch die dänischen Meerengen in Richtung Nordsee. Weil die Ostsee nur eine schmale Verbindung zum Atlantik besitzt, reagiert sie empfindlich auf solche Windlagen – der Pegel sinkt spürbar.

Der anhaltende Frost verstärkt diesen Eindruck. Flache, ruhige Küstenbereiche kühlen schneller aus und frieren zu. Wo sonst Wellen laufen, liegt nun Eis. Vor allem in Buchten und Häfen ist das deutlich zu sehen. Die Frage liegt nahe: Ist das nun gut oder schlecht? Für Häfen und kleine Boote ist Niedrigwasser natürlich problematisch. Fahrrinnen werden flacher, Eis behindert den Betrieb. Auch für Spaziergänger gilt Vorsicht – die Eisflächen sehen stabil aus, sind es aber nicht unbedingt.

Ökologisch ist die Lage komplexer. Ein niedriger Wasserstand allein schadet der Ostsee nicht. Im Gegenteil: Sollte der Wind in den kommenden Wochen auf West drehen, könnte salz- und sauerstoffreiches Wasser aus der Nordsee einströmen. Solche Salzwassereinbrüche sind für die tieferen Becken der Ostsee wichtig, weil sie dort zeitweise für bessere Sauerstoffverhältnisse sorgen. Das würde vielen Organismen am Meeresboden zugutekommen.

Bleibt die Ostwindlage hingegen bestehen, bleibt das Meer gewissermaßen im winterlichen Stillstand. Dann ist die Situation weder außergewöhnlich bedrohlich noch besonders hilfreich – sondern schlicht Teil eines natürlichen, wenn auch seltenen Zusammenspiels aus Wind, Pegel und Frost. Im Moment jedenfalls zeigt sich die Ostsee zurückhaltend, fast still. Ein Winterbild, das eindrucksvoll vor Augen führt, wie eng Wetter und Meer hier miteinander verbunden sind.